Das war der Würzburger Versorgerkongress 2017

Die Digitale Transformation betrifft mittlerweile alle Bereiche der Gesellschaft und insbesondere der Wirtschaft. Dabei eröffnet sie neue Möglichkeiten der Vernetzung und Kooperation unterschiedlicher Akteure, die beispielsweise Daten austauschen und somit Prozesse anstoßen. Dieser Wandel macht auch vor dem Energiesektor nicht halt. Die Energiewende, eine dezentrale Erzeugung und ein härterer Wettbewerb um Kunden führen zu einer grundlegenden Anpassung an einen sich rapide wandelnden Markt.

Wie sollen die Versorger damit umgehen? Vor welchen Herausforderungen und Chancen steht die Energiewirtschaft in Bezug auf die Digitalisierung? Und wie sieht ein digitales Geschäftsmodell im Stadtwerk 4.0 aus? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, veranstaltete die iTiZZiMO AG am 14./15. September 2017 den 1. Würzburger Versorgerkongress im Schlosshotel Steinburg.

 

Wohin geht die Reise?

„Wir befinden uns auf dem Sprung in das Zeitalter der Utility 4.0“ – mit dieser Aussage begann Christian Kleinschroth, Technikvorstand der iTiZZiMO AG seine Präsentation zum Thema „Herausforderung und Chancen der Digitalisierung in der Energiewirtschaft“. Er sprach über die zentralen Handlungsfelder für die digitale Transformation und über ausgewählte Zukunftsthemen.

Roger Filges, Leiter Kundenanschlüsse der SWB Netz GmbH berichtete darüber hinaus in seinem Vortrag, wie sich die Netzgesellschaften SWO Netz GmbH aus Osnabrück, die Bielefelder SWB Netz GmbH und münster Netz GmbH im Jahr 2015 zu einem Verbund zusammengeschlossen haben, um gemeinsam den Weg der Digitalisierung zu gehen. „Gemeinsam wollten wir eine Oberflächenlogik erschaffen, die es uns ermöglicht, die erforderlichen Informationen zu Netzanschlussanliegen von Netzkunden und deren beauftragten Fachfirmen zu erfassen“, berichtete Filges. In Zusammenarbeit mit iTiZZiMO wurde daraufhin das Netzportal erschaffen:

„Mit dem Netzportal haben wir eine Portallösung geschaffen, in der wir alle Versorgerprozesse von der Anschlussbestellung über die Zählerinstallation bis hin zur Zählerstandsmeldung vollständig digital auf einer Oberfläche abbilden können. Bis zu 70 Prozent weniger Bürokratieaufwand sorgt für mehr Effizienz.“

Tim Deckmann, Account Manager Utilities der iTiZZiMO AG

Digitale Geschäftsmodelle im Stadtwerk 4.0

Operative Exzellenz, Digitale Kundeninteraktion, Digitale Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsbereiche sowie Organisation, Kultur und Zusammenarbeit – das sind die vier großen Herausforderungen, welche zur Gestaltung der digitalen Transformation von der LEW-Gruppe identifiziert wurden. Dr. Markus Litpher, Vorstandsvorsitzender der Lechwerke AG referierte in seinem mitreißenden Vortrag „Digitale Geschäftsmodelle im Stadtwerk 4.0“ über Anforderungen an neue Geschäftsmodelle und welche Rolle der Kunde dabei spielt. „Denn digitale Geschäftsmodelle werden nur dann erfolgreich, wenn Sie den Kundennutzen steigern“, so Litpher.

Vortrag von Dr. Markus Litpher, Vorstandsvorsitzender der Lechwerke AG

Best Practice Ansätze für die Digitalisierung

Um den Teilnehmern ein besseres Verständnis der Möglichkeiten zu vermitteln, zeigte Christian Kleinschroth, Technikvorstand der iTiZZiMO AG in seiner Präsentation einige reale Best Practice Ansätze wie beispielweise eine Straßenbeleuchtungs-Störmeldung, das Antragsbearbeitungssystem, das Marktstammdatenregister sowie das Inbetriebsetzungsportal.

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Florian Rühl, Vertriebsvorstand der iTiZZiMO AG schloss gemeinsam mit Roger Filges, Leiter Kundenanschlüsse der SWB Netz GmbH, Dr. Markus Litpher, Vorstandsvorsitzender der Lechwerke AG sowie Mathias Scheller, Leiter Kundenservice der Städtische Werke Netz + Service GmbH den ersten Veranstaltungstag mit einer Podiumsdiskussion zu allgemeinen Marktanforderungsthemen ab. Auch hier wurden spannende Fragen an die Diskussionsteilnehmer zu unterschiedlichen Themen adressiert und zur Diskussion gestellt. Unter anderem ging es dabei um die Zukunft des Energiemarktes, neue Konzepte die den bestehenden Markt disrupieren oder auch Fragen zu den persönlichen Erfahrungen im Einsatz mit digitalen Lösungen.

Rundum sorglos Paket

Der zweite Tag begann mit einem Vortrag von Mathias Scheller, Leiter Kundenservice der Städtische Werke Netz + Service GmbH zum Thema „Das Netzportal – Auf dem Weg zur automatisierten und digitalen Welt der Netze“. In seinem Vortrag berichtete Scheller von den Kriterien, warum Kundenprozesse digitalisiert werden sollten und wie diese Prozessumsetzung bei den Städtische Werke Netz + Service GmbH funktionierte. Sehr spannend waren außerdem seine Aussagen zur Energiewirtschaft aus Kundensicht. Neben den technologischen Potenzialen spielen veränderte Kundenanforderungen eine sehr große Rolle. So fordern Kunden heute statt einzelner, isolierter Produkte gewissermaßen „Rundum-sorglos-Pakete“ mit passenden Serviceleistungen von ihren Lieferanten und Dienstleistern gleichermaßen. Scheller zeigte den Zuhörern sehr anschaulich, wie die Kunden in Zukunft beispielweise über Amazon nicht nur Schuhe und Smartphones kaufen können, sondern vielleicht auch den nächsten Hausanschluss?!

Vortrag von Mathias Scheller, Leiter Kundenservice der Städtische Werke Netz + Service GmbH

Customer Journey für Installateure

Bisher wurden Probleme meist durch „Single-Point-Solutions“, also spezifische Anwendungen gelöst. Die Zukunft erfordert aber einen holistischen, ganzheitlichen Ansatz durch Abbildung der
Customer Journey. Welche Anforderungen hierfür notwendig sind, brachte Christian Kleinschroth, Technikvorstand der iTiZZiMO AG in seiner Präsentation zur Geltung.

 

Smart Metering

Der letzte Vortrag des zweiten Veranstaltungstages ging um ein sehr umstrittenes Thema: Smart Metering! Im vergangen Jahr hat der Bundestag das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende verabschiedet. Bis zum Jahr 2032 sollen sämtliche mechanischen Ferraris-Zähler bei den Stromkunden durch elektronische Zähler ersetzt werden. Zudem werden Millionen Verbraucherhaushalte und Stromerzeuger mit vernetzten Stromzählern, sogenannten intelligenten Messsystemen, ausgestattet. Über diese „Zwangsdigitalisierung“ und die dafür vorgesehenen Lösungen referierte Tim Deckmann, Account Manager Utilities der iTiZZiMO.

„Die Versorger machen mit dem Smart Meter Rollout einen großen Schritt in die Energiewelt der Zukunft. Dank der anfallenden Verbrauchsdaten können neue Produkte und Energiedienstleistungen entwickelt werden. Durch die Echtzeitüberwachung des Stromverbrauchs lassen sich etwa im Smart-Home-Bereich innovative Produkte und Services entwickeln.“

Tim Deckmann, Account Manager Utilities der iTiZZiMO AG

In einer Live Vorführung einer Smart Metering App, welche auf dem Simplifier gebaut wurde, zeigte Deckmann, wie ein Techniker vor Ort die Seriennummern mittels Barcode erfassen kann und diese automatisch zugeschlüsselt werden. Mit einer Anwendung auf dem Tablet können Zählerdaten durch Texterkennung mobil erfasst und direkt in das in der Applikation integrierte ERP System beispielsweise dem SAP IS-U gespeichert werden. Durch die Offline-Funktion werden Aufträge zwischengespeichert, wenn keine Internetverbindung besteht und Informationen später zurückgemeldet. Zusätzlich wird die Erfassung von Eigen- und Fremdleistungen möglich. Wenn alle relevanten Daten im ERP vorliegen, können automatische Folgeprozesse wie Inbetriebsetzung und Rechnungslauf angestoßen werden.

Fazit & Danksagung

Die Digitalisierung erfasst alle Bereiche unseres Lebens und somit auch den Energiemarkt. Damit die digitale Transformation eine Erfolgsgeschichte wird, bedarf es eines stetigen Austauschs aller relevanten Akteure und einer lebhaft geführten Diskussion. Schließlich geht es auch um die ganz großen Fragen: Wie geht die Entwicklung weiter? Wie wollen wir in Zukunft leben? Und wem vertrauen wir unsere Daten an? Nur durch den stetigen Austausch untereinander lassen sich diese Fragen beantworten.

„Daher freue ich mich umso mehr darüber, dass wir mit dem 1. Würzburger Versorgerkongress einen Grundstein in diese Richtung setzen konnten. Ich möchte mich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den lebhaften Austausch innerhalb der zwei Tage bedanken. Und natürlich auch allen, die im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass diese Veranstaltung so ein Erfolg wurde.“

Christian Kleinschroth, Technikvorstand der iTiZZiMO AG

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Würzburger Versorgerkongress 2018

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